Alumpinator - Buchbeschreibung
Alumpinator - Leseprobe
Adib Mu - Der Autor
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Alumpinator - Leseprobe
Kapitel 1
Feuer regnete vom Himmel. Herr Wit dachte, es sei Abendrot, bevor die ersten Scheite oder was es war das Dach trafen und gleich zu brennen begannen. Dann erinnerte er sich, dass es schon 23 Uhr war. Diese Tage waren endlos lang. Danach fielen noch mehr solche glühenden Gegenstände herunter. Es war gespenstisch. Er sprang die Treppen hoch zu den Zimmern seiner Kinder. Seine Frau war im Erdgeschoss im Wohnzimmer, als sie ein glühendes Stück vor dem Fenster herunterfallen sah.
Er hörte die Schreie seiner Familie von oben und unten gleichzeitig. Inzwischen war er schon im Dachgeschoss. Die Kinder stürmten aus ihren Zimmern:
"Dad, Dad, der Himmel spuckt Feuer auf unser Haus. Was ist denn das?", schrie Cindy mit ängstlichem Ausdruck im Gesicht. Die 12-jährige Tochter der Familie hatte im Gegensatz zu Michael keine Hemmungen ihre ngste zu zeigen. Ihr Bruder dagegen versuchte ruhig zu erscheinen. Ein Junge mit 14 Jahren musste immer cool bleiben. Michael schaute intensiv in die Augen seines Vaters, um seine Gedanken abzulesen. In einem Moment hätte man auch in seinen eigenen Augen die Furcht sehen können, als er das selbe Gefühl bei seinem Vater entdeckte.
"Ich weiß auch nicht, was es sein kann, aber wir müssen sofort in den Keller gehen. Dort sind wir wahrscheinlich sicherer."
Die Flammen konnte man durch die Fenster sehen. Einige Nachbarhäuser brannten lichterloh. Nach draußen zu gehen hatte keinen Sinn.
Frau Wit erwartete sie im Erdgeschoss.
"Meinst du, es ist schon so weit?", fragte sie ihren Mann.
"Es könnte sein. Wir müssen uns beeilen."
Sie gingen eiligst in den geräumigen Keller und schlossen die Feuerhemmende Tür hinter sich. Hier hatte man für alles Notwendige vorgesorgt, als ob sie dieses Ereignis erwartet hätten. Die Geschwister, die davor schon in ihren Betten lagen, waren hellwach.
Sie setzten sich um einen viereckigen, einfachen Metalltisch. Frau Wit holte aus dem Kühlschrank eine große Flasche Wasser und stellte sie mit vier Gläsern auf den Tisch.
"Ihr sollt ein bisschen Wasser trinken. Es beruhigt."
Als sie die Gläser in der Hand hatten, flackerte das Licht an der Decke und ging aus. Nun war es hier Stockdunkel. Nichts konnte man sehen.
"Bleibt ruhig sitzen", sagte Herr Wit und stand nach einer Weile auf, als seine Augen den Wechsel überwunden hatten. Er tastete sich langsam an den Wänden entlang, bis er zu dem offenen Kamin gelangte. Auf dem Sims über dem Kamin stieß seine Hand an die Kerosinlampe, die für diese Zeiten vorgesehen war. Er reagierte blitzschnell und fasste die Lampe, bevor sie umfiel. Mit seiner Reaktion war er zufrieden, obwohl er sehr erschrocken war. "Es wäre gelacht, wenn meine Reaktionen bereits mit 45 Jahren nachgelassen hätten," dachte er sich.
Die Streichhölzer lagen daneben. Bald flackerte das schwache Licht des Streichholzes auf und er konnte die Glashülle der Lampe mit der anderen Hand hochheben und die Lampe anzünden. Der Keller war beleuchtet, wenn auch ziemlich schwach.
"Wie konnten die Leute früher mit diesem Licht lesen?", fragte Cindy, die keine Antwort erwartete und sie auch nicht erhielt. "Ich habe kein einziges Buch hier!", stellte sie fest.
"Typisch meine Schwester. Wir sind hier unten gefangen und wissen nicht, was los ist und sie denkt nur an Bücher," meinte Michael.
Sie saßen da und warteten. Irgendwelche Bauteile brachen oberhalb des Kellers zusammen und verursachten ein Erdbebenartiges Zittern im ganzen Haus.
"Alle unsere Sachen verbrennen da oben", brachte Cindy schluchzend hervor. Frau Wit nahm ihre Tochter in die Arme und versuchte sie zu beruhigen. Ihr selbst rollten die Tränen über das ganze Gesicht.
"Es ist alles unwichtig mein Kind. Wir kommen heil hier heraus und können alles wiederbeschaffen".
"Was meinst du Vater, diese können doch nicht die Zinas sein. Sie würden nicht ihre eigene Hauptstadt in Schutt und Asche versetzen", stellte Michael fest.
"Nein, ich vermute, dass es schon so weit ist und dass das unsere Freunde sind," antwortete der Vater.
"Schöne Freunde sind das, die unser Haus verbrennen wollen und uns dazu," protestierte Cindy zwischen ihrem Schluchzen.
"Die wissen doch nicht, dass wir noch da sind. Unser Haus steht zwischen vielen anderen Häusern, die von Zinas bewohnt werden. Unsere Freunde können nicht zaubern, dass das Feuer nur die Häuser ihrer Feinde trifft."
"Ist das nicht trotz allem ein wenig beruhigend, wenn wir wissen, dass unsere Freunde, die Latirlien, so weit eingedrungen sind?", fragte Frau Wit, die bis jetzt nur zugehört hatte.
"Vielleicht sind die Tage des Alumpinator schon gezählt. Er hat genug Verbrechen begangen," sprach Michael den Wunsch vieler Menschen aus.
"Man braucht eure außergewöhnlichen Fähigkeiten nicht, um dies erraten zu können. Aber der Alumpinator ist noch nicht am Ende," antwortete Herr Wit.
"Wir legen uns ein wenig hin. Etwas anderes können wir doch nicht tun." Er wusste, dass er kaum schlafen würde, obwohl er sehr müde war.
Sie löschten die Lampe und legten sich hin.
Michael und Cindy wälzten sich auf ihren Feldbetten und versuchten zu schlafen. Wahrscheinlich war es bei ihren Eltern auch nicht anders. Erst vor kurzem hatten sie mit ihren Eltern herumgerätselt, wohin einige ihrer Freunde und deren Familien hingebracht worden waren.
"Warum hat man die überhaupt verhaftet? Was hatten sie getan?", fragte Cindy ihren Vater, obwohl sie wusste, was die Motive waren. Mit ihren 12 Jahren konnte sie alle Ereignisse sehr scharfsinnig analysieren. Aber sie wollte es nicht wahrhaben, dass der Alumpinator so eine Macht auf die Massen ausüben konnte. Seine Macht verbreitete sich innerhalb relativ kurzer Zeit wie eine Seuche. Alle die nicht dagegen immun waren, wurden befallen.
"Das war nichts Neues", hatte ihr Vater erzählt. "Zu allen Zeiten gab es Wesen oder Menschen, die von dem mächtigen Marihan mit diesen Eigenschaften ausgerüstet unter die Menschen geschickt wurden, um sie in die Irre zu führen und zu beherrschen." Der Alumpinator hatte seine Rolle sehr gut gespielt. Die Lage half ihm dabei. Viele Menschen waren arm und unzufrieden. Als Erstes musste er Sündenböcke suchen. Die Menschen neigen in schlechten Zeiten immer dazu, die Reichen für ihre Lage verantwortlich zu machen. Sie meinen, dass diese diejenigen sind, die nie aufhören, ihre Reichtümer zu vermehren und dabei die große Masse zu benachteiligen. Der Alumpinator war aber viel raffinierter als dass er die Privilegierten als Sündenböcke darzustellen versuchte. Gerade diese brauchte er für seine Ziele. Er wurde mit allen bösen und intriganten Gedanken ausgestattet, um mit dieser Aufgabe fertig zu werden. Er konnte und wollte sich mit den reichen Leuten nicht anlegen. Sie und ihr großer Einflussbereich gehörten zu seinem Plan. Die logische Folgerung war, dass die Sündenböcke unter irgendwelchen Gruppen zu suchen waren, die besondere Merkmale besaßen. Dafür wählte er die Uhaidys. Die waren tüchtig und teilweise reich aber wurden nie als einheimische Bewohner des Landes akzeptiert."
"Aber sie sind keine Fremden. Sie leben seit Jahrhunderten in diesem Land!", funkte Cindy dazwischen.
"Es wundert mich immer wieder, wie scharfsinnig du mit deinen 12 Jahren alles analysieren kannst!", bewunderte sie ihr Vater.
"Ja, aber sie gehören einer Minderheit an, die ihre Eigenheit bewahren will. Außerdem, wer ist nicht fremd? Woher wissen die Dreimalklugen, woher ihre eigenen Vorfahren gekommen sind? Die nächste Stufe war Neid und Hass zu erzeugen. Das konnte der Alumpinator sehr gut. Die wichtigste Zauberkraft, die er vom Marihan erhalten hatte, war die Kunst des Redens. Wenn die Menschen vor ihm standen und ihm zuhörten, schwebten unsichtbare Strahlen aus seinem Mund und veränderten in den Köpfen der Zuhörer etwas Eigenartiges, so dass er sie in seinem Bann hatte und mit ihnen anstellen konnte, was er wollte."
"Vater, du hast auch oft vor ihm gestanden und ihm zugehört. Warum konnte er keinen Einfluss auf dich ausüben," fragte Michael.
"Ich weiß nicht warum, aber manche Leute sind gegen diese Strahlen immun. Außerdem gehören wir nicht zu diesem Land."
Herr Wit war Gesandter des Menschenlandes aus den weit entfernten Gegenden. Er hatte es nur versäumt (gewollt oder ungewollt), trotz Warnungen seiner Regierung dieses verseuchte Land vorzeitig zu verlassen. Er verließ sich darauf, dass die Zinas ihm und seiner Familie nicht feindlich gesinnt waren, da seine Regierung sich mindestens am Anfang neutral verhalten hatte.
In den Tagen zuvor hatten die Kinder mit eigenen Augen beobachtet, wie manche ihrer Freunde und deren Familien verschwanden.
"Wo sind diese Leute hin, Vater?", erkundigten sich die Kinder.
"Könnt ihr es selbst nicht herausfinden?", antwortete ihr Vater. "Ich dachte ihr habt die Gaben in euch. Man hat auf jeden Fall nichts Gutes mit ihnen vor."
Herr Wit wusste wahrscheinlich viel mehr als er zugeben wollte. Er wollte seinen Sohn nicht noch mehr beunruhigen. Er war mit dem Sohn der Nachbarn, Adam, sehr gut befreundet gewesen, bevor er auf einmal nicht mehr da war.
"Ich muss herausfinden, wo sie sind. "Vielleicht brauchen sie Hilfe", betonte Michael so entschlossen, dass die Mutter laut protestierte:
"Du lässt es sein! Ihr lasst alle die Finger davon. Dieser Alumpinator und seine Leute sind sehr gefährlich. Am Ende werdet ihr auch von deren Seuche befallen oder sie machen mit euch dasselbe, was sie vielen Menschen antun. Ich kann das nicht ertragen, wenn einem von euch etwas passiert. Wir und unsere Regierung haben uns bisher neutral verhalten. Gegen uns führen sie keinen Krieg. Euer Vater ist Gesandter des Menschenlandes. Uns lassen sie in Ruhe, wenn wir uns nicht einmischen."
"Was ist dann mit unseren Freunden? Was ist mit Adam? Mit denen können sie machen, was sie wollen? So egoistisch hatte ich dich nicht eingeschätzt, Mutter," rebellierte Michael.
"Wir haben keine Macht etwas zu unternehmen. Wenn wir einmal die Gelegenheit haben, werden wir auch etwas Positives tun. Verlasst euch auf uns!", versuchte Frau Wit ihren Sohn zu besänftigen. "Wir werden unsere Gelegenheit bekommen. Hauptsache sie lassen uns in Ruhe."
"Uns lassen sie noch in Ruhe," murmelte der Vater vor sich hin.
"Aber wie lange?", sprach Michael die Gedanken seines Vaters zu Ende.
Herr Wit wunderte sich immer wieder aufs neue, obwohl ihm die außergewöhnlichen Fähigkeiten seiner Kinder bewusst waren. Michael war erst 14 Jahre alt. Herr Wit konnte sich nicht vorstellen, wie sich diese Fähigkeiten entwickeln würden, wenn die Kinder das Erwachsenenalter erreicht haben würden.
Nun waren sie in den Kellerräumen. Während dieser Zeiten hatten sie einige Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Die Kellerräume lagen ziemlich tief in der Erde. Das alte aber prachtvolle Haus war eigenartig, aber gemütlich. Herr Wit hatte massive, Feuerhemmende Stahltüren an den Kellereingängen anbringen lassen, und mit dem nötigsten Mobiliar eingerichtet. Er lagerte dort vorzeitig genügend Vorräte.
Die Lüftung zu den Kellerräumen verlief durch einen unterirdischen Schacht in den Garten und endete in einem Geräteschuppen. Dieser Schacht war derart verborgen, dass wahrscheinlich nur wenige frühere Bewohner davon wussten.
Es war spät als sie sich zum Schlafen auf die Feldbetten legten und noch später als sie einschliefen. Kaum waren sie in einen leichten Schlaf gefallen, als sie ein leichtes Klopfen
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